|
Oktober 2008:
Der belgische Staat hat eine Garantieerklärung für sämtliche private Einlagen pro Kunde pro Bank bis zu 100.000 € abgegeben. Was bedeutet das konkret, und ist mein Geld damit sicher? Es gibt eine gesetzliche Einlagensicherung, die pro Kunde, pro Bank zählt und dies bis maximal 20.000 Euro. Dieser Bankengarantiefond beläuft sich in Belgien zurzeit auf 900.000.000 Euro, und würde bei einem Flächenbrand im Finanzsystem natürlich nicht ausreichen. Daher wurde eine Staatsgarantie für sämtliche Einlagen eines Kunden bei seiner Bank bis zu 100.000 Euro ausgesprochen. Diese Garantie muss aber noch bestätigt werden. Sollte es also eine große Bank treffen, wird wahrscheinlich der Bankengarantiefond den Schaden der Sparer nicht ganz ersetzen, sondern der Staat und somit wir als Steuerzahler. Das bedeutet, das Geld auf dem Sparbuch ist genauso sicher wie eine Staatsanleihe. Zusätzlich sind alle Kassenbons und Anleihen, pro Bankkunde, welche sein belgisches Finanzinstitut herausgegeben hat, bis zu 20.000 Euro abgesichert. Diese Werte müssen sich aber in einem Depot bei der Bank befinden oder namentlich registriert sein.
Weltweit geht die Angst vor weiteren Banken-Pleiten um. Sollte man in dieser Situation lieber seine Konten auflösen und Bargeld unter der Matratze horten? Das Geld unter der Matratze zu horten ist wirklich keine Lösung, auch in der aktuellen Finanzkrise nicht. Das ist im Gegenteil völlig übertrieben. Denn dann nagt die Inflation am Geld. Das sind immerhin um die 4 Prozent pro Jahr. Von 100 Euro, die man heute unters Kopfkissen steckt, sind nächstes Jahr real nur noch 96 Euro übrig. Zudem besteht ein hohes Diebstahlrisiko.
Wie sicher sind Geldanlagen bei Internetbanken? Unterliegen Einlagen dort auch einem Einlagen-Sicherungsfonds? Die EU-Pflicht-Sicherung besteht für alle. Damit sind 20.000 Euro immer abgesichert. Der Richtlinienentwurf zur Verbesserung der Einlagensicherung sieht außerdem vor, dass alle EU-Staaten Sparguthaben bis zu einem Betrag von mindestens 50.000 Euro gesetzlich absichern müssen. Bis Ende 2009 soll die Mindestdeckungssumme nach den Vorstellungen der Kommission sogar auf 100.000 Euro angehoben werden. Die EU-Finanzminister sprachen bereits eine kollektive Garantie für Sparguthaben bis 50.000 Euro aus, mehrere Staaten gehen noch darüber hinaus (wie zum Beispiel Belgien bis zu 100.000 Euro).
Zählen diese Absicherungen auch für meine Lebensversicherungen in Belgien? Momentan gibt es bei belgischen Lebensversicherungen keine offizielle Einlagenabsicherung. Aber auch hier hat unser Finanzminister eine Zusage zwecks Absicherung bis zu 100.000 € pro Vertragsnehmer und Versicherungsgesellschaft mündlich erteilt. Es ist aber schwer vorstellbar, dass eine Versicherungsgesellschaft eine solche Absicherung in Anspruch nehmen muss, denn alle 3 Monate wird die Anlagepolitik der Vermögensverwaltung extern bewertet, um zu prüfen, ob sie auch weiterhin eine defensive Strategie mit den Spargeldern der Einzahler führt. Ebenfalls sind alle Einzahlungen in Lebensversicherungen niemals in den Aktiva der Bilanz einer Versicherungsgesellschaft aufgeführt, diese Einzahlungen sind „gesondertes Vermögen“ und demnach nicht durch einen eventuellen Konkurs einer Versicherungsgesellschaft in Belgien (seit 1929 nicht mehr geschehen) betroffen.
Wie sieht es aus mit meinen Lebensversicherungen in Luxemburg? Hier hat man die gleichen Vorteile wie in Belgien (z.B.: gesondertes Eigentum, vierteljährliche Kontrolle) und um Einiges darüber hinaus. Falls eine Versicherungsgesellschaft in Luxemburg pleite gehen würde und man sein Geld dort angelegt hat, zählt der Anleger in Luxemburg „immer“ als privilegierter Gläubiger. Das bedeutet, der Vertragsinhaber wird vor allen anderen Gläubigern bevorzugt ausgezahlt, sogar vor dem Staat, vor den Soziallasten, vor den Lohnforderungen der Arbeitnehmer, usw. Sollte dann noch immer der Lebensversicherungsvertrag nicht zu 100 Prozent abgedeckt sein, ist der Kunde ebenfalls Gläubiger der Aktiva der Versicherungsgesellschaft.
Was kann man unternehmen, wenn man sein Geld bei einer verstaatlichten isländischen Bank angelegt hat, wie zum Beispiel bei der Kaupthing Edge? Die Einlagen bei der Kaupthing Edge sind über den isländischen Einlagensicherungsfond bis zu 20.887 Euro gesichert. Sollte der Entschädigungsfall eintreten, wird dieser durch den isländischen Sicherungsfonds reguliert. Bei einem Staatsbankrott würde allerdings auch das ins Leere laufen. Die belgische Entschädigungseinrichtung greift hier nicht ein. Zurzeit kann man nichts unternehmen, außer sich an den isländischen Einlagensicherungsfond zu wenden. Die Adresse lautet: Sedlabanki Islands - Central Bank of Iceland, Kalkofnsvegi 1, 150 Reykjavik/Island, Tel.: 00.354 569.9600, www.sedlabanki.is
Welche Auswirkungen hat die Finanzkrise auf die Zinsen bereits gewährter Kredite? Keine. Die Zinsen sind vertraglich geregelt. Änderungen sind nur möglich, wenn der Vertrag diese vorsieht. Das ist etwa bei einem Überziehungskredit jederzeit möglich.
Kann eine Bank einen bereits gewährten Kredit zurückfordern? Die Bank muss sich an die vertraglichen Regelungen halten. Dispokredite können täglich gekündigt werden. Immobilienkredite nicht, denn hier gibt es eine feste Laufzeit.
Muss man einen Kredit noch zurückzahlen, wenn die Bank pleite geht? Wenn die Bank pleite geht, heißt das nicht, dass sich die Rückzahlung ganz erledigt hat. Man zahlt den Kredit an den Insolvenzverwalter oder an den neuen Eigentümer der Bank ab – das kann ein Konkurrent der Bank sein oder auch der Staat.
Wie sicher sind Aktienfonds? Aktien und Aktienfonds sind langfristig hervorragende Geldanlagen. Denn sie bieten eine Chance auf eine deutlich höhere Rendite als sichere Anlageformen. Allerdings sind mit solchen Anlagen auch hohe Risiken verbunden. Deshalb ist es ganz wichtig, diese zu reduzieren, indem der Anlagebetrag auf viele verschiedene Aktien aus verschiedenen Branchen und Ländern gestreut wird. Einzelne Aktien können durchaus wertlos werden, ein ganzes Aktienpaket aus vielen verschiedenen Unternehmen hingegen nicht. Die Vergangenheit zeigt auch, dass sich Aktien nach großen Krisen auch wieder relativ schnell erholt haben. Wer das Auf und Ab an den Börsen aushalten kann und einen langen Atem hat, sollte auch weiterhin Aktien oder Aktienfonds besitzen, vorausgesetzt sie streuen das Vermögen branchen- und länderübergreifend. Wir raten hin zu Aktienfonds, die von professionellen, dynamischen Vermögensverwaltern, d.h. „Spezialisten“ verwaltet werden.
Sollte man seine Aktien jetzt verkaufen? Oder eher welche kaufen? Nach jeder Krise folgt auch wieder ein Aufschwung. Wer langfristig denkt und das Nervenkostüm hat, weitere Kursverluste auszusitzen, steigt jetzt in Aktienfonds ein. Warren Buffet, bester Aktientrader seit 40 Jahren, kauft im Moment wieder kräftig Aktien ein, da sie „so billig wie selten zuvor“ sind. Es ist Ausverkaufszeit an den Börsen.
Sollte man sein Geld in Gold anlegen? Gold bietet einen gewissen Schutz gegen einen „kompletten Systemausfall“. Langfristig gesehen war es in den vergangenen 15 Jahren im Vergleich zum Börsengeschäft keine attraktive Geldanlage. Gerade in der aktuellen Finanzsituation ist Gold keine sichere Anlage, denn hohe Wertschwankungen sind auch hier zurzeit möglich. Zinsen und Dividenden gibt es bei Gold nicht.
<< zurück
|
|